Am Sonntag, den 21.08.2011 stellte Dr. G.H. Loos rund 20 interessierten Naturfreunden/Innen typische Dorfpflanzen am Beispiel des Hellwegdorfes Unna-Westhemmerde vor. Wenn nicht durch übertriebenen Sauberkeitswahn die letzten Fundorte dieser Pflanzen zerstört werden, dann kann man sie noch bewundern und viel über ihre Herkunft, Verbreitung, Ökologie und die Gefährdung erfahren. Während der rund 1.5 Stunden dauernden Exkursion lernten die Teilnehmer Mäusegerstenfluren und Winkel-Biotope kennen. Wer wusste vor der Exkursion, dass das Behaarte Knopfkraut (Galinsoga cilliata), seine Heimat in Peru hat und über Botanische Gärten einwanderte? Die heute allgegenwärtige Brennnessel (Urtica dioica) ist eine der ältesten Siedlungspflanzen. Ursprünglich wuchs sie an nährstoffreichen Fließgewässern und war vor 1930 bei uns selten.
Einige Dorfpflanzen wie z.B. der Wald-Ziest (Stachys sylvatica) hatten ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet im Wald und haben im Dorf einen sekundären Lebensraum gefunden, da sie mit den Bedingungen des Dorfes gut zurechtkamen. Die Weg-Malve (Malva neglecta) wächst als stickstoffliebende Pflanze gerne in Stallnähe und Komposthaufen. Sie ist auf offene Bodenstellen angewiesen, diese hat sie im Dorf durch das Scharren der freilaufenden Hühner oft vorgefunden. Zu den heute seltenen Dorfpflanzen gehört die Schwarznessel (Ballota nigra), die in Westhemmerde noch gut vertreten war, eine Art, die durch die zunehmende Verstädterung unserer Dörfer gefährdet ist. Zu den Dorfpflanzen gehören auch Pflanzen, die früher in der Heilkunde eine große Bedeutung gespielt haben. Das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis) wurde im Mittelalter als Heilpflanze genutzt. Viele Dorfpflanzen wuchsen früher auf Äckern. Durch den Herbizideinsatz und durch die dichte Einsaat verdrängt, findet man sie heute in Dörfern. Das Ackerbeikraut Persische Ehrenpreis (Veronica persica) ist im Kaukasus beheimatet. Als ehemalige Zierpflanze wurde sie in den Gärten nach Europa gebracht und hat von dort aus Äcker und Dörfer als Neophyt erobert.
Selbst eine alte Ziegelmauer ist ein eigener Lebensraum im Dorf. Hier haben sich Mauerraute (Asplenium ruta-muralis), Flechten und Moose angesiedelt. Darin und davon leben wiederum teils nur mit der Lupe zu entdeckende Tiere. Bienen und viele andere Insekten nutzen unsere Dorfpflanzen. Schade, dass wir heute solche Lebensräume suchen müssen! Dabei kann jeder der einen Garten hat, oder einen Vorgarten pflegt, dazu beitragen, typische Dorfpflanzen zu erhalten, indem er ihnen ein kleines Fleckchen Lebensraum überlässt.
Karin und Bernd Margenburg
Der NABU Landesfachausschuss Botanik (LFA Botanik) tagte am Samstag, dem 21.5.2011 in Bergkamen-Heil in der Ökologiestation. Besprochen wurde die Suchkampagne „Rundblättrige Glockenblume“, der Umgang mit unseren Wäldern im „Jahr des Waldes“ und die geplante Veröffentlichung über die Gefährdung von Ackerwildkräutern. Anschließend führte eine Exkursion den LFA Botanik zur Orchideenwiese in Heil und zum geplanten Dino-Gewerbepark in Rünthe. Die Arbeit des NABU-KV Unna zum Erhalt der Orchideenwiese fand breite Anerkennung. Das Ansinnen der Stadt Bergkamen in einen schützenswerten Wald einen Dino-Park zu errichte konnte nur ein allgemeines Kopfschütteln hervorrufen. Zumindest eignet sich das Projekt als landesweites Negativbeispiel im Umgang mit unseren Wäldern im Jahr des Waldes.
Bernd Margenburg
Am Samstag, den 19.03.2011, traf sich bei frühlingshaften Temperaturen die Botanik-AG, um Moose, Flechten und Pilze im nördlichen Bornekamptal in Unna zu erfassen. Mit dabei war auch der Kleinflechtenspezialist Dieter Gregor Zimmermann.
Insgesamt wurden 46 Flechtenarten inklusive Flechtenparasiten kartiert. Dies ist die höchste Artenzahl, die im Kreis Unna bisher auf den relativ kurzen Exkursionen der Botanik-AG ermittelt wurde. Den größten Anteil nahmen gesteinsbewohnende Flechten ein. Gregor Zimmermann konnte an Kalkfelsen als Neufund für das Kreisgebiet die Weißgraue Schriftflechte (Opegrapha demutata) nachweisen. Unter den weiteren Artfunden ist u.a. der Helle Aschenfleck (Phlyctis argena) hervorzuheben, eine weißliche bis graue Krustenflechte, die hauptsächlich auf Baumrinden vorzugsweise im Bergland vorkam, aber in den letzten zwei Jahren mehrfach im Tieflandsbereich der Kreise Unna und Soest gefunden wurde. Ansonsten fanden sich einige Arten, die erst seit relativ kurzer Zeit im Kreis Unna bekannt sind, weil sie zuvor vermutlich übersehen wurden (u.a. Anisomeridium polypori, Opegrapha rufescens, Porina aenea).
Ebenfalls ein Erstnachweis gelang Gregor Zimmermann mit Magnussons Staubkruste (Thelocarpon magnussonii), die ebenfalls zu den leicht zu übersehenden und deshalb auch im Kreis Unna zuvor unbeachteten Kleinflechten zählt.
An Moosen wurden insgesamt 29 Arten nachgewiesen. Bemerkenswert war der Fund von Frullania dilatata. Diese Gattung zeichnet sich durch die Bildung von so genannten „Wassersäckchen“, einer Umwandlung des Unterblattes als Wasserspeicher, aus. Daher rührt auch der deutsche Name Breites Wassersackmoos.
Unter den Laubmoosen sind die Goldhaarmoos-Arten Orthotrichum pulchellum und O. stramineum zu nennen, die zwar in Ausbreitung begriffen sind, aber im Kreisgebiet noch große Vorkommens- oder (eher) Nachweislücken aufweisen.
Flechten und flechtenbewohnende Pilze
Anisomeridium polypori (Schornsteinchen-Dünnkruste), Aspicillia calcarea (Kalk-Steinkruste), Athelia arachnoidea (Große Algenspinne), Bacidina spec. (Knöpfchenkruste), B. sulphurella (Baumfuß-K.), Buellia aethalea (Stein-Zwergstippenflechte), B. punctata (Pünktchen-Z.), Caloplaca citrina (Verwaschene Zitronenkruste), C. holocarpa (Mauer-Z.), C. lithophila (Kleine Z.), Candelaria concolor (Einfarbige Leuchterflechte), Candelariella aurella (Kleine Gelbkruste), C. reflexa (Streuselkuchen-G.), Evernia prunastri (Pflaumen-Zweigflechte), Flavoparmelia caperata (Runzelige Bleichschüsselflechte), Hyperphyscia adglutinata (Angedrückte Kleinschwielenflechte), Lecania cyrtella (Baum-Leuchtkrüstchen), Lecanora carpinea (Unberandete Glattborken-Kuchenflechte), L. dispersa (Versteckte K.), L. expallens (Bleichgrüne K.), L. muralis (Mauer-K.), L. polytropa (Plattige K.), Lecidella elaeochroma (Gewöhnliche Scheckenkruste), Lepraria glaucella (Bläuliche Bleichkruste), L. incana (Graue B.), L. lobificans (Schatten-B.), Melanelixia glabratula (Feinisidiöse Trübschüsselflechte), M. subaurifera (Goldschimmernde T.), Opegrapha demutata (Weißgraue Schriftflechte), O. rufescens (Graubraune S.), Paranectria oropensis (Orangefrüchtiger Flechtentöter), Parmelia sulcata (Furchen-Schüsselflechte), Parmelina tiliacea (Linden-Rundschüsselflechte), Parmotrema perlatum (Große Schildschüsselflechte), Phaeophyscia orbicularis (Graue Schwielenflechte), Phlyctis argena (Heller Aschenfleck), Physcia adscendens (Helm-Blasenflechte), P. tenella (Kleine B.), Porina aenea (Bronze-Olivfleckchen), Punctelia jeckeri (Bereifte Punktschüsselflechte), P. subrudecta (Unbereifte P.), Rinodina pityrea (Blaugraue Plattenkruste), Sarcogyne regularis (Bereifte Krönchenkruste), Verrucaria muralis (Mauer-Warzenkruste), V. nigrescens (Schwarze W.), Thelocarpon magnussonii (Magnussons Staubkruste), Xanthoria parietina (Gewöhnliche Gelbflechte), X. polycarpa (Kleine Gelbflechte).
Moose
Amblystegium serpens (Kriechendes Stumpfdeckelmoos), Atrichum undulatum (Wellenblättriges Katharinenmoos), Brachythecium populeum (Pappel-Kurzbüchsenmoos), B. rutabulum (Krücken-K.), B. velutinum (Samt-K.), Bryum capillare (Haarblättriges Birnmoos), Calliergonella cuspidata (Spießmoos), Dicranoweisia cirrata (Lockiges Gabelzahnperlmoos), Eurhynchium hians (Kleines Schönschnabelmoos), E. praelongum (Verschiedenblättriges S.), Fissidens taxifolius (Eibenblättriges Spaltzahnmoos), Frullania dilatata (Breites Wassersackmoos), Funaria hygrometrica (Wetter-Drehmoos), Grimmia pulvinata (Polster-Kissenmoos), Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos), H. filiforme (Fädiges S.), Metzgeria furcata (Furchen-Igelhaubenmoos), Orthotrichum affine (Verwandtes Goldhaarmoos), O. diaphanum (Glashaartragendes G.), O. pulchellum (Hübsches G.), O. stramineum (Gelbhaubiges G.), Plagiomnium affine (Verwandtes Kriechsternmoos), P. undulatum (Gewelltblättriges Kriechsternmoos.), Radula complanata (Angedrücktes Kratzmoos), Rhynchostegium confertum (Unscheinbares Schnabeldeckelmoos), R. murale (Mauer-S.), Rhytidiadelphus squarrosus (Sparriges Kranzmoos, Runzelbruder), Tortula muralis (Mauer-Drehzahnmoos), Ulota bruchii (Bruchs Krausblattmoos), U. crispa (Gewöhnliches K.).
Sonstige Kryptogamen
Klebsormidium crenulatum – Neophytische Alge auf Baumrinde.
Bemerkenswerte Funde Höherer Pflanzen
Allium ursinum (Bär-Lauch; im Bereich der Felswand, recht zahlreich, wohl aus Gärten verwildert und eingebürgert), Arum maculatum (Aronstab; hier auch in Vorgärten in Rasen), Asplenium ruta-muraria (Mauerraute), Cotoneaster dielsianus u. C. divaricatus (Zwergmispeln) als Überpflanzen auf Platanen, Pseudofumaria lutea (Gelber Lerchensporn), Taxus baccata (Eibe; mehrfach Jungpflanzen); neben Massenvorkommen von Ranunculus ficaria (Scharbockskraut) zeigten sich mehrere Früh- und Frühsommerblüher schattiger Standorte in großen Beständen, u.a. Geum urbanum (Echte Nelkenwurz) und Veronica sublobata (Hain-Ehrenpreis).
Dr. Hans Jürgen Geyer
Dr. Götz Heinrich Loos
Karin und Bernd Margenburg
Die Botanik-AG war trotz des anhaltenden Winterwetters wieder tätig. Am Samstag, dem 06.03.2010 ging es in den Süden des Kreises. Bei strahlendblauem Winterhimmel wurden die Flechten und Moose
beidseitig des Weges im NSG „Bahnwald zwischen Bahnstrecke und dem und Geiseckesees kartiert (4511/24). Hinsichtlich der Moosflora war es mit 38 Arten eine der ergiebigsten Exkursionen. Ein
bemerkenswerter Moosfund muss noch bestätigt werden und wird noch nachgemeldet! Besonders lang wurde die Liste der polsterbildenden Rinden-und Felsenmoose der Gattung Orthotrichium
(Goldhaarmoos). Neu aufgenommen wurden in unsere Moosliste die Arten Orthotrichum pallens (Blasses Goldhaarmoos) und Orthotrichum pumilum (Zwerg- Goldhaarmoos). Beide Arten finden sich
epiphytisch an Feld und Alleebäumen. Didymodon insulanus (Inselbewohnendes Doppelzahnmoos) wurde bislang als Varietät von Didymodon vinealis geführt. Es wird jetzt als eigene Art geführt.
Insgesamt wurden 30 Flechtenarten nachgewiesen, wobei die gesteinsbewohnenden Flechten den größten Anteil einnahmen. An seltenen und gefährdeten Flechten konnten Candelaria concolor (3),
Xanthoria fallax (3) und Melanelia subaurifera (Goldschimmernde Trübschüsselflechte) (2) nachgewiesen werden. Auffällig war das Fehlen von epiphytischen Flechten wie Evernia prunastri und
Ranalina farinacea. Des weiteren konnte noch die Algenart Trentepohlia aurea, die einen braunen bis orangeroten Belag auf den Baumstämmen ausbildet, kartiert werden. Ein Parasit auf Flechten ist
Athelia arachnoidea (Große Algenspinne)
Flechten:
Buellia punctata (Pünktchenflechte), Caloplaca citrina (Mauer-Zitronenkruste), Caloplaca holocarpa, C. lithophila (Kleine Mauer-Zitronenkruste), Caloplaca teicholyta (Grauweiße Z.), Candelaria
concolor, Candelariella xanthostigma (Punkt-Geldflechte),Cladonia coniocraea (Gewöhnliche Säulenflechte), Hypogymnia physodes (Blasen- Hornblattflechte), Lecanora dispersa (Versteckte
Kuchenflechte), L. expallens (Bleichgrüne K.), L. flotowiana, L. muralis (Mauer-K.), Lecidella stigmatea (Stein-Scheckenkruste), Lepraria incana (Graue Bleichkruste), Lepraria lobificans,
Melanelia glabratula (Feinisidiöse Trübschüsselflechte ), Melanelia subaurifera (Goldschimmernde Trübschüsselflechte), Parmelia sulcata (Furchen-Schüsselflechte), Phaeophyscia nigricans (Schwarze
Schwielenflechte), P. orbicularis (Graue S.), Phlycits argena, Physcia adscendens (Helm-Blasenflechte), P. dubia (Zierliche B.), P. tenella (Kleine Blasenflechte), Verrucaria muralis
(Mauer-Warzenkruste), V. nigrescens (Gewöhnliche W.), Xanthoria ucrainica (Ukrainische Gelbflechte), Xanthoria fallax, X. parietina (Gewöhnliche G.), X. polycarpa,
Moose:
Amblystegium serpens (Kriechendes Stumpfdeckelmoos), Atrichum undulatum (Wellenblättriges Katharinenmoos), Barbula commutata (Wellenblättriges Bärtchenmoos), Barbula convoluta (Rollblättriges
Bärtchenmoos), Brachythecium rutabulum (Rauhes-Kurzbüchsenmoos), Brachythecium velutinum (Samt-Kurzbüchsenmoos), Bryum argenteum (Silber-Birnmoos), Bryum bicolor p.p. c. sp. (Zweifarbiges
Birnmoos), Bryum capillare (Haarblättriges-Birnmoos), Bryum ruderale (Schutt-Birnmoos), Ceratodon purpureus (Purpur-Hornzahnmoos), Dicranella heteromalla (Einheitswendiges Kleingabelzahnmoos),
Dicranoweisia cirrata (Lockiges Gabelzahnperlmoos), Didymodon insulanus (Inselbewohnendes Doppelzahnmoos), auf der Krone der niedrigen Mauer entlang der nördl. Seite am Einlauf des Geisecke-Sees,
Eurhynchium hians (Kleines Schönschnabelmoos), Eurhynchium praelongum (Verschiedenblättriges Schönschnabelmoos), Fontinalis antipyretica (Gemeines Brunnenmoos), Frullania dilatata (Breites
Wassersackmoos) epiphytisch an Fraxinus, Funaria hygrometrica (Wetteranzeigendes Drehmoos), Grimmia pulvinata p.p. c. sp., (Polster-Kissenmoos), Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos),
Isopterygium elegans (Zierliches Gleichflügelmoos) in Buchenwald, Leskea polycarpa (Vielfrüchtiges Leskenmoos), Mnium hornum (Schwanenhals-Sternmoos), Orthotrichum affine (Verwandtes
Goldhaarmoos), Orthotrichum anomalum (Stein-Goldhaarmoos), Orthotrichum diaphanum (Glashaartragendes Goldhaarmoos), Orthotrichum pallens (Blasses Goldhaarmoos) epiphytisch an Fraxinus; 2
Sporophytengenerationen, Orthotrichum pulchellum (Hübsches Goldhaarmoos), Orthotrichum pumilum (Zwerg- Goldhaarmoos) epiphytisch an Fraxinus u. Sambucus nigra; c. immat sp., Orthotrichum
speciosum (Schönes Goldhaarmoos) , epiphytisch an Fraxinus, c. immat sp. oder 2 Sporophytengenerationen, Orthotrichum stramineum (Gelbhaubiges Goldhaarmoos) epiphytisch an Fraxinus; 2
Sporophytengenerationen, Plagiomnium undulatum (Gewelltblättriges Kriechsternmoos.), Pseudocrossidium hornschuchianum (Hornschuchs Scheinfransenmoos), Rhytidiadelphus squarrosus (Sparriges
Kranzmoos, Runzelbruder), Schistidium crassipilum (Dickhaar-Spalthütchen), Tortula muralis (Mauer-Drehzahnmoos), Ulota bruchii (Bruchs Krausblattmoos) epiphytisch an Fraxinus, c.sp., Ulota crispa
(Gewöhnliches Krausblattmoos) epiphytisch an Fraxinus u. Quercus robur; c.sp.
Dr. Hans-Jürgen Geyer, Dr. Götz-Heinrich Loos, Karin und Bernd Margenburg.
Am Samstag, den 20.02.2010 kartierte die Botanik-AG von Grundhöfer (Waldschänke) aus die Umgebung des Overberger Busches hinsichtlich Pilzen, Flechten, Moosen und (jetzt erkennbaren) bemerkenswerten Höheren Pflanzen. Da der Schnee frisch weggetaut war, konnte auch der Waldboden (soweit es eine gleichzeitig stattfindende Jagd zuließ) inspiziert werden. Das unbeständige Wetter mit kaltem Wind sowie wechselnd Sonne und Graupelschauer war allerdings nicht durchgehend ein Vergnügen. Die größte Überraschung stellt wohl ein Fund der Hirschzunge dar, unmittelbar auf dem Boden aufsitzend, während die Nachweise der Niederen Pflanzen eher als durchschnittlich bezeichnet werden müssen. Neben den erwähnten konnten noch die Algenarten Klebsormidium crenulatum und Trentepohlia aurea notiert werden, an Tieren wurde ein Feldhase gesichtet. Eine kleine Nachbesprechung mit Heißgetränk und Kuchen erfolgte unmittelbar anschließend bei Grundhöfer.
Pilze:
Auricularia auricula-judae (Judasohr), Daedalea quercina ( Eichenwirrling), Daedaleopsis confragosa (Rötende Tramete), Ganoderma applanatum (Flacher Lackporling), Hyphoderma radula
(Reibeisen-Rindenpilz), Hypoxylon fuscum (Rotbraune Kohlenbeere), Nectria cinnabarina (Zinnoberroter Pustelpilz), Stereum hirsutum (Striegeliger Schichtpilz), Trametes versicolor
Schmetterlingstramete, Tremella globospora (Buckeliger Zitterling), Tremella mesenterica (Goldgelber Zitterling), Xylaria hypoxylon (Geweihförmige Holzkeule)
Flechten:
Auffallend ist die große Zahl an gesteinsbewohnenden Flechten, die hauptsächlich Mauern, Betoneinfassungen u.ä., aber auch ausgestellte Sand- und Kalksteine besiedeln, während die Zahl an
Epiphyten vergleichsweise gering ist (man beachte z. B. das völlige Fehlen von Evernia-, Hypogymnia- und Punctelia-Vorkommen). Jedoch konnte erneut Physcia stellaris gefunden werden. Zu Caloplaca
cf. coronata ist anzumerken, dass die Zugehörigkeit der nordwestmitteleuropäischen Vorkommen dieser Art bezweifelt wird und somit der Name unsicher ist. Ihr Nachweis (auf einer Betonschale und
dem Kunststoff-/Gummiband eines Weidezauns) ist formell der Erstfund im Kreis Unna, allerdings wurde diese Sippe bisher eher nicht beachtet.
Aspicilia calcarea (Gewöhnliche Kalkkruste), Athelia arachnoidea (Große Algenspinne), Buellia aethalea (Stein-Zwergstippenflechte), B. alboatra aggr. (Schwarzweiße Z.), B. punctata (
Pünktchen-Z.), Caloplaca citrina (Mauer-Zitronenkruste), C. cf. coronata ( Mandarinen-Z.), C. holocarpa ( Mauer-Z.), C. lithophila (Kleine Mauer-Z.), C. teicholyta (Grauweiße Z.), Candelariella
aurella (Gold-Gelbkruste), C. reflexa ( Streuselkuchen-G.), C. vitellina ( Dotter-G.), C. xanthostigma (Kleine G.), Cladonia coniocraea (Gewöhnliche Säulenflechte), Lecanora albescens (Weißliche
Kuchenflechte), L. carpinea (Mehlige Kuchenflechte), L. dispersa (Kleine K.), L. expallens (Bleichgrüne K.), L. flotoviana aggr. (Breitrandige K.), L. muralis ( Mauer-K.), L. persimilis
(Verwechselte K.), L. polytropa (Großkrümelige K.), Lecidea fuscoatra (Gewöhnliche Granitkruste), Lecidella elaeochroma (Borken-Scheckenkruste), L. stigmatea ( Stein-S.), Lepraria incana (Graue
Bleichkruste), L. lobificans (Hellere B.), Melanelia subaurifera (Goldschimmernde Trübschüsselflechte), Parmelia saxatilis (Stein-Schüsselflechte), P. sulcata (Furchen-Schüsselflechte),
Phaeophyscia.nigricans (Schwarze Schwielenflechte), P. orbicularis (Graue S.), Physcia adscendens (Helm-Blasenflechte), P. stellaris ( Stern-B.), P. tenella (Kleine B.), Rinodina gennarii
(Dunkelbraune Tellerkruste), Sarcogyne regularis (Bereifte Krönchenkruste), Scoliciosporum umbrinum (Stein-Spiralkruste), Verrucaria muralis (Mauer-Warzenkruste), V. nigrescens (Gewöhnliche W.),
Xanthoria parietina (Gewöhnliche Gelbflechte), X. polycarpa (Kleine G.), X. ucrainica (Ukrainische G.).
Moose:
Die beiden Ulota-Arten wurden verhältnismäßig oft und teilweise in größerer Zahl an Bäumen festgestellt. Von Orthotrichum speciosum gelang ein Nachweis an einer Esche, ebenso von Metzgeria
furcata. Frullania dilatata wurde an mehreren Eschen am Wegrand, teils in größeren Flecken, gefunden.
Amblystegium serpens (Kriechendes Stumpfdeckelmoos), Atrichum undulatum (Wellenblättriges Katharinenmoos), Aulacomnium androgynum (Zwittriges Streifensternmoos), Barbula convoluta p. min. p. c.
sp. (Rollblättriges Bärtchenmoos), Brachythecium glareosum ( Kies-K.), B. rutabulum (Krücken-Kurzbüchsenmoos), B. velutinum ( Samt-K.), Bryum argenteum (Silber-Birnmoos), B. bicolor (Zweifarbiges
Birnmoos), B. capillare ( Haarblättriges-Birnmoos), Calliergonella cuspidata (Spießmoos), Ceratodon purpureus (Purpur-Hornzahnmoos), Dicranella heteromalla ( Einseitswendiges Kleingabelzahnmoos),
Dicranoweisia cirrata (Lockiges Gabelzahnperlmoos), Dicranum tauricum (Steifblättriges Gabelzahnmoos), Eurhynchium hians (Kleines Schönschnabelmoos), E. praelongum (Verschiedenblättriges S.), E.
striatum (Gestreiftes S.), Fissidens bryoides (Birnmoosähnliches Spaltzahnmoos), F. taxifolius (Eibenblättriges S.), Frullania dilatata (Breites Wassersackmoos), Funaria hygrometrica
(Barometermoos), Grimmia pulvinata (Polster-Kissenmoos) (auch an Esche), Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos), Lophocolea heterophylla c.p. (Verschiedenblättriges Kammkelchmoos), Metzgeria
furcata (Gabel-Igelhaubenmoos), Mnium hornum (Schwanenhals-Sternmoos), Orthotrichum affine (Verwandtes Goldhaarmoos), O. speciosum (Schönes G.), Plagiomnium affine (Verwandtes Kriechsternmoos),
P. undulatum ( Gewelltblättriges K.), Plagiothecium curvifolium (Krummblättriges Plattmoos), Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos), Pseudocrossidium hornschuchianum ( Hornschuchs
Scheinfransenmoos), Rhytidiadelphus squarrosus ( Sparriges Kranzmoos), Schistidium cf. crassipilum ( Dickhaar-Spalthütchen), Tetraphis pellucida ( Georgsmoos), Tortula muralis
(Mauer-Drehzahnmoos), T. ruralis ( Erd-D.), Ulota bruchii (Bruchs Krausblattmoos), U. crispa (Gewöhnliches K.)
Bemerkenswerte Höhere Pflanzen
Allium vineale (Weinbergs-Lauch)
Arum maculatum (Gefleckter Aronstab) – Blattaustrieb schon fortgeschritten
Asplenium scolopendrium (Hirschzunge) – 1 Exemplar am Waldweg auf der Höhe ebenerdig am Fuß eines liegenden Baumstammes, mit zahlr. Wurmfarn
Carex sylvatica ( Wald-Segge) – Wald und Wegränder vielfach
Centaurea jacea x decipiens (Nordwestliche Flockenblume) – Säume zwischen Wald und B61
Eragrostis multicaulis (Japanisches Liebesgras) – Parkplatz Grundhöfer, mehrfach
Euonymus fortunei ( Kletter-Pfaffenhütchen) – Overberger Busch am Wegrand, ca. 6 qm großer Bestand
Galanthus nivalis (Schneeglöckchen) – Blühbeginn am Wegrand
Helleborus viridis (Grüne Nieswurz) – Im Wald immer noch zahlr., teils erste Blüten offen
Iris pseudacorus (Wasser-Schwertlilie) – Graben am Weg, schon mit Blatt-Neuaustrieb
Lamium argentatum (Weißfleckige Goldnessel) – Wald, mehrfach
Potentilla sterilis (Erdbeer-Fingerkraut) – mehrfach am Weg zwischen Overberger Busch und B61, am Busch selbst und Hecke an der Straße östlich Busch; im Kreis Unna stark zurückgegangene
Art!
Prunus avium (Vogel-Kirsche) – auffällig häufig in Abschnitten des Waldes
Prunus laurocerasus (Kirschlorbeer) – verwildert am Denkmal in Hecke (2 Expl.)
Pulmonaria officinalis (Geflecktes Lungenkraut): Knospen schon erkennbar; im Wald einheimisch, an Säumen mitunter vielleicht auch mit Gartenabfällen eingeschleppt
Brombeeren:
Rubus armeniacus (Armenische Brombeere), R. hadracanthos (Dickstachelfuß-Haselblattbrombeere), R. loosii ( Hellweg-Haselblattb.), R. macrophyllus (Großblättrige B.), R. montanus (
Mittelgebirgs-B.), R. praecox (Kräftige B.), R. pseudoloosii ( Hellweghöhen-Haselblattb.), R. rudis (Rohe B.), R. vestitus aggr. ( Samt-B.), R. winteri (Winters B.)
Dietrich Büscher, Dr. Hans Jürgen Geyer, Erhard Hellmann,
Dr. Götz Heinrich Loos
Nachdem witterungsbedingt die Botanik -AG zweimal ausfiel, fand das erste Treffen im Jahr 2010 am Sonntag, den 07.Februar um 14:00 Uhr statt.
Die Flechten, Moose und Pilze eines Waldgebietes in Wasserkurl wurden kartiert.Statt der schon bekannten „Friedhofsarten“ wurden in dem offen Hainbuchenwald mit schützenswerten Altholzbestand und
bemerkenswerten naturnahen Weiden gleich eine neue Moosart für den Kreis Unna gefunden. Orthotrichum obtusifolium, das Stumpfblättrige Goldhaarmoos. Dieses Moos wächst an Feld und Alleebäumen,
besonders an Pappeln und Weiden. Insgesamt wurden 24 Moosarten notiert.
Vor Ort wurden 26 verschiedene Flechten bestimmt. Bemerkenswert war das Vorkommen von Lecanora conizaeoides, die bisher in dieser Häufigkeit im Kreisgebiet noch nicht gefunden wurde. Diese
Flechte besiedelt alle Baumarten . Vor etwa 30 Jahren war diese acidophytische Flechte infolge ihrer sehr hohen Resistenz gegen saure Luftverunreinigungen im Ruhrgebiet die häufigste Flechte.
Durch die Abnahme der sauren Luftverunreinigungen ist sie im Kreis Unna sehr selten geworden. Als eine der häufigsten Blattflechten auf Bäume wurde Parmelia sulcata (Furchen-Schüsselflechte)
kartiert. Selbst gefährdete Flechten wie Flavoparmelia caperata (Caperatflechte) und Melanelia subaurifera (Goldschimmernde Trübschüsselflechte) wurden gefunden. Vor einigen Jahren konnte
Flavoparmelia caperata im Kreis Unna nur vereinzelt nachgewiesen werden. Diese Art profitiert dadurch, dass die Schwefeldioxidkonzentration abgenommen, aber die Stickstoffeinträge in der Luft
zugenommen haben.
Flechtenliste:
Bacidia sep.
Buellia punctata (Pünktchenflechte)
Caloplaca citrina (Mauer-Zitronenkruste)
Candelariella reflexa (Streuselkuchen-Gelbkruste)
Cladonia coniocraea (Gewöhnliche Säulenflechte)
Cladonia fimbriata (Trompetenflechte)
Flavoparmelia caperata (Caperatflechte)
Hypogymnia physodes (Blasen- Hornblattflechte)
Lecanora carpinea (Mehlige Kuchenflechte)
Lecanora conizaeoides
Lecanora expallens (Bleichgrüne Kuchenflechte)
Lecanora muralis (Mauer-Kuchenflechte)
Lecidella elaeochroma (Gewöhnliche Scheckenkruste)
Lepraria incana (Graue Bleichkruste)
Melanelia exasperatula (Spatel-Melanelie)
Melanelia subaurifera (Goldschimmernde Trübschüsselflechte)
Parmelia saxatilis (Fels-Schüsselflechte, Steinmoos)
Parmelia sulcata (Furchen-Schüsselflechte)
Phaeophyscia orbicularis (Graue Schwielenflechte)
Physcia adscendens (Helm-Blasenflechte)
Physcia dubia (Zierliche Blasenflechte)
Physcia tenella (Kleine Blasenflechte)
Punctelia ulophylla (Bereifte Punktschüsselflechte)
Scoliciosporum chlorococcum
Xanthoria ucrainica (=candelaria) (Ukrainische Gelbflechte)
Xanthoria parietina (Gewöhnliche Gelbflechte)
Pilzeliste
Auricularia auricula-judae (Judasohr)
Hypoxylon fragiforme (Rötliche Kohlbeere)
Trametes gibbosa (Bucketramete)
Moosliste:
Amblystegium serpens (Kriechendes Stumpfdeckelmoos
Atrichum undulatum (Wellenblättriges Katharinenmoos),
Aulacomnium androgynum (Zwittriges Streifensternmoos),
Brachythecium rutabulum (Rauhes-Kurzbüchsenmoos),
Bryum argenteum (Silber-Birnmoos),
Bryum bicolor p.p. c. sp. (Zweifarbiges Birnmoos),
Ceratodon purpureus (Purpur-Hornzahnmoos),
Dicranella heteromalla (Einheitswendiges Kleingabelzahnmoos),
Dicranoweisia cirrata (Lockiges Gabelzahnperlmoos),
Dicranum tauricum (Streifenblättriges oder Taurisches Gabelzahnmoos),
Eurhynchium hians (Kleines Schönschnabelmoos), im Eichenbestand,
Eurhynchium praelongum (Verschiedenblättriges Schönschnabelmoos),
Fissidens bryoides (Birnenmoosähnliches Spaltzahnmoos),
Fissidens taxifolius (Eibenblättriges Spaltzahnmoos),
Funaria hygrometrica (Wetteranzeigendes Drehmoos),
Frullania dilatata (Breites Wassersackmoos),
Grimmia pulvinata p.p. c. sp., (Polster-Kissenmoos), epiphytisch
Hypnum cupressiforme (Zypressen-Schlafmoos),
Lophocolea heterophylla (Verschiedenblättriges Kammkelchmoos),
Mnium hornum (Schwanenhals-Sternmoos),
Orthotrichum affine (Verwandtes Goldhaarmoos),
Orthotrichum obtusifolium (Stumpfblättrige Goldhaarmoos), neu
Tortula muralis (Mauer-Drehzahnmoos),
Ulota crispa (Gewöhnliches Krausblattmoos)
Folgende Pflanzen wurden notiert: Rubus pedemontanus, Rubus pervirescens, Prunus laurocerasus, Calamagrostis canescens
Dr. Hans-Jürgen Geyer, Dr. Götz-Heinrich Loos, Karin und Bernd Margenburg