Amphibien Im Kreis Unna

Erdkröten Paar Foto: Postler
Erdkröten Paar Foto: Postler

Die Erdkröte, Bufo bufo, ist die häufigste Lurchart im Kreis Unna, wie auch sonst in NRW und auch bundesweit. Es gibt zahlreiche Populationen, die teilweise uralt sind, da die Erdkröte überaus standorttreu ist.Normalerweise kehrt das geschlechtsreif gewordene Individuum jedes Frühjahr zwecks Fortpflanzung zu seinem Geburtsgewässer zurück. Wenn es allerdings auf seinem Wege dorthin ein bequemer zu erreichendes Gewässer findet, kommt es vor, dass dieses dann als Laichgewässer angenommen wird.Sind Laichgewässer und Überwinterungs- und Sommergebiet durch eine Straße getrennt, kommt es durch den allerorts ansteigenden Straßenverkehr zur Dezimierung, ja stellenweisen Ausrottung, teils uralter Populationen.

 

Mögliche Gegenmaßnahmen sind:

 

*Straßensperre (nur selten durchsetzbar, wie z.B. in Kamen am Galgenberg)

*Umsiedlungsmaßnahme in ein Erzatzlaichgewässer

*Querungshilfen (Krötentunnel: materiell aufwändig und nicht immer zweckdienlich)

*Krötenzaun (kostengünstig, aber sehr personalaufwändig, häufigste Maßnahme)

Amphibienschutzprojekte des NABU im Kreis Unna

Teichmolch Foto: Postler
Teichmolch Foto: Postler

*Unna: Nordlünerner Straße (Leitung: ursprünglich Wilfried Loos, gegenwärtig Rolf Böttger, Projekt der Krötenschutzgruppe der VHS)
Die Bemühungen bewirkten eine Steigerung von ursprünglich ca. 500 Individuen auf zwischenzeitlich bis 5000 Exemplare. In den letzten Jahren rückläufige Zahlen, wohl infolge zahlreicher Optimierungsmaßnahmen im Umfeld des Laichgewässers, so dass mehr und mehr Tiere auf die Querung der Nordlünerner Straße verzichten. Anfängliche Zwangsumsiedlung zu einem Ersatzlaichgewässer mit Hilfe von Käfigen haben sich nicht als erfolgreich erwiesen.
Info: Rolf Böttger, priv.: 02307/944975, tagsüber: 02303/ 103 - 387

*Unna: Heerener Straße (Leitung: Helmut Voss / Herwig Rabeneck)
Ein Krötenzaun von 900 m Länge wird jährlich mit großzügiger Hilfe der Stadt Unna errichtet.Er kann die Gefahrenstrecke von ca. 1,5 km (beidseitig) der Straße nur schwerpunktmäßig abdecken. Die Laichgewässer liegen westlich und östlich der Straße, die als Kreisstraße stark befahren wird. Die Zahl der jährlich erfassten Individuen bewegt sich zwischen 1200 und 2000. Außer der Erdkröte wurden Grasfrösche (bis zu 80 Ex.) und Berg- und Teichmolch (Im Zehnerbereich) sowie letztes Jahr erfreulicherweise ein Dutzend Laubfrösche. Es besteht akuter Personalmangel.
Info: H. Rabeneck 02307 / 43269

Unna Bilmerich Foto: Förster
Unna Bilmerich Foto: Förster

*Unna-Billmerich: Buschstraße (Leitung: Andreas Förster )
Betreut wird ein ca. 250 m langer Krötenzaun an der Buschstraße zwischen der Liedbachschule und dem Ortsteil "Am Busch". Die Barriere bewahrt die aus den Billmericher Bauernwiesen (im Volksmund "Bauernkuhle" genannt) anwanderenden Erdkröten und Bergmolche auf ihrem Weg zu den Fischteichen am Gut Schulze-Westhof vor dem Straßentod. Da die Laichgewässer ca. 100 bis 300 m weit von der stark befahrenen Kreisstraße entfernt liegen und nur eine Teilpopulation erfasst wird, schwankt die Zahl der wanderenden Erdkröten pro Jahr zwischen 100 und 360 Tieren.
Die Aktion wurde ursprünglich 1982 von Mitgliedern der ehemaligen Krötenschutzgruppe der VHS Unna ins Leben gerufen. Wichtige Partnerin des NABU ist seit zwei Jahrzehnten die Liedbachschule in Billmerich, die sich in unmittelbarer Nähe des Aktionsortes befindet.
Über das Grundstück der Grundschule verläuft sogar ein Abschnitt des Zaunes. Während der NABU den Auf- und Abbau des Zaunes organisiert, wird die Kontrolle der Fangeimer, das Erfassen und das Aussetzen der Tiere ausschließlich von den Schülerinnen und Schülern der Grundschule vorgenommen. Amphibienschutz ist somit fester Bestandteil des Unterrichts geworden. Gesucht werden noch freiwillige Helfer, insbesondere aus Billmerich, die bei der Errichtung und beim Abbau des Zaunes zwischen Februar und April mitwirken.
Info: Andreas Förster 0137 / 5135114

 

*Kamen: Galgenberg (Leitung: Wolfgang und Elisabeth Postler)
Das bedeutendste Krötenvorkommen in Kamen. Erfasst wurden bis zu 4000 Tiere jährlich. Die zu querende Straße wird in der Saison täglich während der Dunkelheit von Ehepaar Postler gesperrt. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Betreuer für die Kinderarbeit. Seit Jahren nehmen an der Aktion Kinder eines Kindergartens mit ihren Eltern teil. Ein hervorragendes Beispiel von Jugendarbeit. Galgenberg

Kleine Krötenretter Foto: Postler
Kleine Krötenretter Foto: Postler

*Kamen: Schattweg
Ein ehemals bedeutender Bestand der Erdkröte ist fast erloschen. Die jahrelang praktizierte nächtliche Vollsperrung des Schattwegs konnte nicht verhindern, dass der Bestand rapide schrumpfte. Grund für den Rückgang: Das ursprünglich gut geeignete Laichgewässer ist durch Besatz mit Enten und durch Stickstoffeintrag aus dem umgebenden Acker für die Entwicklung von Lurchen ungeeignet geworden. Heute wird die Querungsstelle wieder durch einen Zaun gesichert und durch einen unentwegten Mitbürger betreut.

 

*Kamen: Derner Straße
Auf der Höhe der Bahnunterführung überquert ein Teil eines bedeutenden Krötenbestandes die Derner Straße. Seit 2006 wird dieser Zaun von Bernd Schröder betreut. Kamen Derne
Info: Bernd Schröder

*Bergkamen: Erich-Ollenhauer-Straße, Schwanenweiher
Seit 2003 betreut ein Team aus SGV und NABU ein gemeinsames Projekt. Das Besondere hieran ist die permanente Sperre für Kröten, die vom Kreis Unna im Straßengraben errichtet wurde. Dies hat zur Folge, dass die Kröten den Graben nicht verlassen können und normalerweise in den eingearbeiteten Eimern landen. Hierdurch können im Prinzip die (sonst überall erforderlichen) abendlichen Betreuungsdienste entfallen. Erforderlich bleibt eigentlich nur die morgendliche Leerung der Eimer. Allen bisher beschriebenen Projekten ist ein Problem gemeinsam: die Rückwanderung erfolgt nicht so konzentriert wie die Hinwanderung. Deshalb ist diese Art von Krötenschutz nur teilweise wirksam, da die Betreuung der Rückwanderung viel zeitaufwändiger wäre als die Hinwanderung. Dennoch beschloss die Arbeitsgruppe, am Schwanenweiher auch die Rückwanderung mit Hilfe eines Krötenzauns zu betreuen.
Info: Barbara Griesdorn 02307 / 85010.

*Bönen: Am Jungholz / Nordbögger Friedhof
Bisher wird hier, wie fast überall, mit dem Krötenzaun gearbeitet. Erfasst wurden, neben der Erdkröte, Berg- Kamm- und Teichmolch, sowie Gras- und Grünfrosch. Für die Zukunft ist geplant, eine Querungshilfe zu installieren: sog. Dränkästen, die oben mit einem Metallgitter abgedeckt sind. Erfahrungsgemäß werden solche Querungshilfen eher angenommen als geschlossene Röhren, besonders wenn letztere lang und von geringem Querschnitt sind.
Info: Volker Eschrich, 02383 / 2288.

 

An dieser Stelle möchte ich alle Mitstreiter, gleichgültig ob NABU-Mitglieder oder nicht, bitten, weitere Projekte vorzustellen. Ich selbst bin andererseits bereit, über das hier dargestellte hinaus Detailinformationen auf Anfrage zu geben.

Herwig Rabeneck, Tel. 02307-73269

Termine im August

Mo., 07.08.2017 Vorstands- und Beiratssitzung - Achtung! Fällt leider aus!

Die nächste Sitzung ist in Selm!

Mi., 16.08.2017 Stammtisch – NABU Ortsgruppe Selm

So., 27.08.2017 Sommerexkursion der NABU-Botanik-AG

Do., 31.08.2017 Stammtisch – NABU Ortsgruppe Kamen/Bergkamen