Aktuelles

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Nachruf Oswald Schwarz

Am 07.05.2021 ist Oswald Schwarz im Alter von 88 Jahren gestorben. Seit 35 Jahren war er Mitglied im NABU-Kreisverband Unna.

 

Unsere Selmer Gruppe hat er durch seinen unermüdlichen Einsatz für die heimische Natur entscheidend mitgeprägt. Seine fachlichen Kompetenzen, breites Allgemeinwissen, vielfältige Lebenserfahrung und seine besonnene Art machten ihn zu einem gefragten Ratgeber.

 

Seine freie Zeit verbrachte er in seinem preisgekrönten Garten. Da er seine selbstgezogenen Pflanzen auch auf diversen Veranstaltungen der Ökostation anbot, war er bei den Pflanzenliebhabern kreisweit bekannt.

 

Noch mehr gilt dies für die Vogelkundler, da Oswald Schwarz jahrelang in der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG Kreis Unna) mitgewirkt hat, insbesondere auch bei der Erstellung des Brutvogelatlasses 1997-1999, und zwar durch umfangreiche Kartierungsarbeit im Raum Selm und Mitarbeit bei der Auswertung (z.B. Artbeitrag Pirol).

 

Oswald Schwarz hatte viele weitere Interessen (z.B. Imkerei) und war immer offen für Neues. Bei den praktischen Einsätzen ruhte er nicht eher, bis die Arbeit erledigt war. Bei aller Detailversessenheit verlor er nie den Blick für das große Ganze. Vorzüglich konnte man mit ihm auch über Politik, Literatur und Philosophie diskutieren.

 

Wir vermissen ihn schon jetzt und werden ihn in liebevoller Erinnerung behalten.

 

Rudolf Leismann, Vorsitzender NABU-Kreisverband Unna


Knabenkräuter am Wegesrand

Coronabedingt konnte auch in diesem Jahr die Exkursion „Knabenkräuter am Wegesrand“ nicht durchgeführt werden. Damit fällt diese seit 1998 jährlich stattfindende Veranstaltung zum zweiten Mal aus, so dass das Ergebnis der Pflegemaßnahmen, Informationen zum Schutz unserer einheimischen Orchideen und Neues aus der Orchideenwelt des Kreises Unna nicht vorgestellt werden konnten. Statt der Wanderung entlang der Orchideen-wiesen bieten NABU und AHO einen tagesaktuellen Blick auf die Nasswiese, die von 1982 bis zum Jahr 2020 durch den ehrenamtlichen Naturschutz gepflegt wurde. Der Lebensraum des Breitblättrigen Knabenkrautes und zahlreicher Wiesenpflanzen wird zukünftig von der Biologischen Station Kreis Unna/Dortmund naturschutzfachlich betreut.

 

Der erste Blick vom westlichen Rand der Orchideenwiese auf die Fläche zeigt, dass auf Grund der kühlen Witterung das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) noch nicht in Vollblüte ist. Viele Pflanzen blühen erst noch auf. Dafür sind Gras und andere Wiesenpflanzen schon kräftig gewachsen, so dass die blühenden Orchideen nicht dominant hervortreten. Direkt am Rand des ehemaligen Lagerplatzes des Mahdgutes stehen schon die ersten Orchideen, die man ohne die Wiese zu betreten, den Exkursionsteilnehmern hätte zeigen können. Vom östlichen Teil der Wiese ergibt sich ein schönerer Blick auf die Knabenkräuter. Dazu einige Fotos.

 

Der Regen hat die Entwicklung zahlreicher Jungpflanzen begünstigt. Profitiert von der Pflege haben auch Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) und Sumpfdotterblume (Caltha palustris), die insbesondere am Wiesenrand sehr schöne Bestände ausbildet.

 

Leider sieht man im östlichen, trockneren Teil noch die Stelle, wo am 1. Mai gelagert wurde. Wir hoffen, dass dieser mit viel Engagement gepflegte und geschützte Lebensraum nicht auch dem coronabedingten Freizeitdruck zum Opfer fällt. Schnell ist zerstört, was in den letzten 40 Jahren mühevoll mit jährlichen Pflegeeinsätzen erhalten wurde.

 

Der NABU hofft, dass die traditionelle Exkursion im nächsten Jahr wieder stattfinden kann.

 

Bernd Margenburg


Exkursion entlang des Beverbaches im Romberger Wald

Beverbach und Wegeränder im Romberger Wald in Bergkamen-Rünthe waren über viele Jahre Exkursionsziele des NABU-Kreisverbandes Unna. Insbesondere die gewässerkundlichen Führungen mit den Kindern der ev. Kinder-tageseinrichtung „Unter dem  Regenbogen“ gaben spannende Einblicke in das artenreiche Gewässer.

 

Allen Teilnehmern*innen konnten aber auch die zahlreichen Frühlingsgeophyten am Wegrand vorgestellt werden. Coronabedingt fallen leider alle NABU-Exkursionen aus. Also gibt es aktuell auch keine Treffen der NABU-Botanik AG.

 

So bleibt nur ein eigener Spaziergang entlang des Beverbaches, um die Pflanzen zu kartieren. Am 01.04.2021 blühten u. a.:

 

Adoxa moschatellina / Moschuskraut

Anemone nemorosa / Buschwindröschen

Arum maculatum / Gefleckter Aronstab

Gagea lutea / Wald-Gelbstern

Oxalis acetosella / Waldsauerklee

Pulmonaria officinalis / Geflecktes Lungenkraut

Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria L / Scharbockskraut

Veronica sublobata / Hain-Ehrenpreis

Viola x bavarica / Bastard-Wald-Veilchen

 

Fünf Jahre nach der letzten Bestandsaufnahme waren die Arten zwar noch vorhanden, aber es gab eine unangenehme Überraschung. Durch Ausbau des Weges entlang des Beverbaches war in dem zukünftigen Naturschutzgebiet ein Teil des Lebensraumes dieser Pflanzen zerstört worden. Es waren also deutlich weniger der schützenswerten Pflanzen vorhanden.

 

Zudem muss festgestellt werden, dass auch hier magere Lebensräume entlang der Wegränder durch die Verkotung der zahlreichen Hunde verschwinden. Hier sind dringend Maßnahmen zu ergreifen. Es kann nicht sein, dass laufend auf die Gefährdung von Bodenbrütern und Jungtieren durch frei laufende Hunde hingewiesen wird, wenn an den Wegesränder, die oftmals letzte Rückzugsgebiete seltener Pflanzen sind, alles „totgeschissen“ wird. Leider kann ich es nicht anders nennen, was an den Rad- und Wanderwegen selbst in den Naturschutzgebieten geschieht.

 

Hier ist dringend Abhilfe zu schaffen. Kartieren von Wegrändern macht keinen Spaß mehr! Wo gibt es noch ungestörte Rückzugsgebiete für unsere Natur? Es fehlen Naturerlebnisflächen für alle Bürgerinnen und Bürger im Kreis Unna!

 

Bernd Margenburg

 

 

Hinweis:

Die NABU-Botanik-AG wird sich, sobald es wieder möglich ist, zur Kartierung der Flechten, Moose und höheren Pflanzen treffen. Termine werden auf unserer Homepage bekannt gegeben.

 

Bilder der Pflanzen


Krötenschutzaktion 2021 Nordlünerner Straße

 ·       Januar: Ein ungewöhnliches Jahr beginnt

 

Bereits im letzten Jahr beeinflusste der Ausbruch der Corona-Pandemie unsere Krötenschutz-aktion an der Nordlünerner Straße, die mit dem ersten Lockdown Mitte März 2020 ein abruptes Ende nehmen musste. Unsere Kröten schienen dies aber damals schon im Vorfeld geahnt zu haben, beeilten sich auf ihrem Weg aus den Winterquartieren und hielten sich – einmal im Laichgewässer sicher angekommen - danach ebenfalls strikt an den Lockdown-Appell der Landesregierung.

 

Aber wer hätte damals geahnt, dass die Pandemie noch so lange danach andauern, ja sich sogar noch so dramatisch verschlimmern würde! Damit stand die diesjährige Krötenschutz-aktion 2021 unter neuen, bislang unbekannten Vorzeichen.

 

·       Februar: „Es kribbelt“

 

Während in den sozialen Netzwerken die Vorfreude der Krötenschützer auf die kommende Saison bereits ab Februar fleißig geteilt wurde, Kröteneimer geputzt, Taschenlampen aufge-laden und die Gummistiefel vorgewärmt wurden, musste ein banges Auge auf den Verlauf der Pandemie und die sich fast täglich ändernden Bedingungen der Corona-Schutzverordnungen gerichtet werden. Letztendlich konnte aber mit dem Ordnungsamt der Kreisstadt Unna ganz unkompliziert vereinbart werden, unter welchen Bedingungen die Aktion durchgeführt werden durfte. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung!

 

·       Anfang März: Der Zaun kommt

 

Mit Einsetzen der ersten, milderen Frühlingswitterung konnte dann endlich Anfang März der Krötenschutzzaun an der Nordlünerner Straße und entlang der Straße „Hinter dem Holz“ mustergültig durch die bewährte Naturschutztruppe der Werkstatt im Kreis Unna aufgebaut werden. Besonders freuten sich die Krötenschützerinnen und Krötenschützer, dass das Zaunaufbaukommando der Werkstatt auch in diesem Jahr wieder auf den „Trick mit der Sandanschüttung“ zurückgegriffen hatte, eine ungemeine Erleichterung für alle, die in Dunkelheit und bei beginnender, üppiger Vegetation kleine Amphibien auf Schuhsohlenhöhe entdecken wollen! Auch der etappenweise erfolgte Abbau der Zäune am 31.03. bzw. 06.04. (beeinflusst durch die Rückwanderungsbewegungen der Kröten aus dem Laichgewässer heraus) führte wieder die Naturschutztruppe der Werkstatt im Kreis Unna durch, weshalb in diesem Jahr auch einmal ein ausdrückliches, offizielles Dankeschön an diese hier erwähnt sein soll!

 

·       Mitte März: Wiedersehensfreude trotz Maske

 

Und dann sah man sich nach einem Jahr Pandemie, Lockdown, Homeoffice, Homeschooling und Herunterfahren aller seiner gewohnten Sozialkontakte endlich am Krötenzaun wieder. Dabei war auch hier der gebotene Abstand einzuhalten, ein Mund-Nasenschutz zu tragen und eine Anwesenheitsliste zu führen. Wir, die Autoren dieses Artikels, sind unendlich dankbar, dass ausnahmslos alle Teilnehmenden, ob jung oder alt, groß oder klein, diese Regelungen so selbstverständlich mitgetragen und somit beigetragen haben, dass die Krötenschutzaktion auch unter diesen erschwerten Bedingungen in 2021 problemlos stattfinden konnte.

 

Allen Mitstreitenden sei an dieser Stelle herzlich für das gute Gelingen gedankt!

 

·       Ende März: Start-Stopp-Ende

 

Nach temperaturbedingt schleppendem Wanderbeginn und enttäuschenden Kontrollgängen morgens und abends entlang des Krötenschutzzaunes während der ersten Märzwochen ging die Krötenwanderung dann endlich – und verglichen mit den Vorjahren – reichlich spät ab dem 23.03. richtig los. Und nicht nur der späte Beginn, auch das zeitliche Aufkommen von Krötenmännchen und Krötenweibchen war in diesem Jahr recht ungewöhnlich: wandern ansonsten zunächst in den ersten Tagen fast ausschließlich erst die Krötenmännchen zum Laichgewässer, waren in diesem Jahr vom ersten Tag an auch viele Krötenweibchen mit dabei.

 

Aber nach zwei richtig milden Abenden am 24. und 25. März mit jeweils weit über 200 geretteten Amphibien, ebbte der Zustrom danach sehr schnell wieder ab. Auch das schöne, fast schon sommerliche Wetter in der Woche vor Ostern, konnte keine weiteren Kröten in nennenswerter Zahl mehr anlocken.

 

Gleichzeitig verließen aber auch schon die ersten Weibchen bereits nach erfolgter Eiablage das Gewässer wieder, ein besonders kritischer Moment in jeder Krötenschutzsaison, da die Weibchen mit Verlassen des Teiches nun „auf der falschen Seite des Zauns“ und damit direkt im fließenden Straßenverkehr sitzen. Recht schnell mussten daher erste Streckenabschnitte des Krötenschutzzaunes wieder abgebaut werden, damit die Weibchen zügig in ihre Sommerquartiere durchziehen konnten.

 

Die Rückwanderung wurde noch bis zum abrupten Wetterwechsel und dem Einbruch einer nächsten Kältewelle noch über das Osterwochenende begleitet. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an diejenigen Helferinnen und Helfer, die auch noch nach dem offiziellen Ende der Krötenschutzaktion Eiseskälte und Schnee trotzten und an den Feiertagen täglich kontrollieren gingen.

 

·       Das amtliche Endergebnis der Krötenschutzsaison 2021 brachte erstaunliche Zahlen:

 

  828 Kröten konnten insgesamt gerettet werden!

 

 Dabei wurden 479 Krötenmännchen und 349 Krötenweibchen erfasst.

 

Weitere Amphibienarten an dieser Stelle, wie Berg- und Teichmolche, wurden nur sehr selten noch entdeckt, vermutlich sind diese bereits vor der Aufstellung des Zaunes durchgezogen. Besonders freuten sich aber die Kinder, als eine langjährige und erfahrene Krötenschützerin einen Grünfrosch mit zur Sammelstelle brachte. Mit seiner grünen Färbung und den markanten schwarzen Punkten auf dem Rücken stach dieser ganz besonders aus der Schar der Erdkröten heraus.

 

·       Weniger Kröten, als im Vorjahr: Warum?

 

 Im letzten Jahr konnten mit 784 Männchen und 355 Weibchen, insgesamt also 1.139 Kröten, an der gleichen Stelle gerettet werden. Dies bedeutet somit in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang von über 300 Kröten oder 27%.

 

Diese Zahlen gilt es zu interpretieren. Zunächst einmal die gute Nachricht: die Anzahl der diesjährig geretteten Weibchen ist erfreulich hoch und befindet sich sogar auf dem Niveau der letzten vier Jahre. Die deutlich geringere Anzahl der Männchen allerdings könnte damit zusammenhängen, dass diese in einer milderen Phase bereits früher, vor Aufstellen des Zauns, gewandert sind. Verluste durch den Straßenverkehr wurden allerdings durch die Anwohner zum Glück jedoch nicht beobachtet.

 

Eine weitere mögliche Erklärung für die geringere Anzahl an Kröten könnte sein, dass jetzt die geschlechtsreifen Kröten aus den Geburtsjahrgängen 2015/2016 zum ersten Mal zu ihrem Laichgewässer wieder zurückgewandert sind. Die Jahrgänge 2015/2016 waren die mit Abstand schwächsten Jahre in der Krötenpopulation an der Nordlünerner Straße. Damals konnten lediglich nur 263 bzw. 305 Kröten am Zaun gezählt werden. Die damalige Vermutung war, dass die Baumaßnahmen am parallellaufenden Radweg einen Einfluss auf das Über-leben in den Winterquartieren hatten. Dieser dramatische Einbruch der Population bedingt nun, dass damit auch weniger „Krötenkinder“ von damals heute wieder zum Laichgewässer zurückkehren können.

 

 ·       Fazit 2021

 

Zusammenfassend für 2021 lässt sich aber insgesamt festhalten: die Krötenpopulation an der Schutzzaunstelle in Unna-Nordlünern ist stabil. Die Helfer waren mit Spaß und Feuereifer dabei und freuen sich schon auf die Aktion im nächsten Jahr.

 

Wir uns auch!

 

Bis dahin, geschätzte Leserinnen und Leser, bleibt bitte gesund.

 

Annika und Rolf Böttger

Ein wenig Statistik

Impressionen


Sicherer Weg für die „Freibadkröten“

21. Februar 2021, strahlendes Vorfrühlingswetter. Endlich war es so weit:

 

Ein Amphibienzaun an der Steinbruchstraße in Holzwickede schützt ab jetzt die aus dem Bereich „Natorper Mühle“ und „Holzwickeder Bachtal“ anwandernden Erdkröten vor dem sicheren Straßentod.

 

Das gilt gewissermaßen auch für die freiwilligen Helfer, denn schon seit 1996 sammelt die am Freibad „Schöne Flöte“ wohnende Famile Prünte die Tiere alljährlich von der Kreisstraße auf und setzte sich auf diese Weise der Gefahr des Autoverkehrs aus.

 

Nun ist Schluss mit diesem Zustand. Der 120 m lange Zaun, initiiert von der NABU-Ortsgruppe Unna und von der Naturförderungsgesellschaft des Kreises Unna zur Verfügung gestellt, ermöglicht nun ein sicheres Einsammeln der Amphibien. Diese haben das nur 20 m von der Straße entfernt liegende Steinbruchgewässer am bekannten Holzwickeder Freibad als Ziel, um dort abzulaichen.

 

Aber nicht nur Erdkröten werden am Zaun erwartet, sondern die schützende Barriere soll auch Grasfröschen, Molchen vielleicht auch Feuersalamandern einen sicheren Straßenwechsel per Eimertaxi ermöglichen.

 

2 x am Tag, jeweils morgens und abends, kontrollieren Prüntes und inzwischen auch andere freiwillige Helfer die 11 am Zaun versenkten Eimerfallen und schaffen die Tiere direkt zum nahegelegenen Laichgewässer.

 

Über das Ergebnis der Aktion wird in Kürze berichtet.

 

Andreas Förster

Ein paar Fotos